Mr. Fox und sein gespanntes Verhältnis zur Natur
Ein Bekannter aus Köln besuchte Berlin, um auf einer Party aufzulegen. Fox ist Mitte Dreißig, isst und trinkt gerne und besitzt eine eine außerordentlich gut sortierte Plattensammlung.
Ich treffe ihn an einem später tanzintensiven Freitagabend, um gemeinsam durch die Stadt zu ziehen. Zu viert sind wir, wir die Menschen sind herausgeputzt, alle fühlen sich sichtlich wohl. Ich kann mit Fox nicht über seine Plattenkiste reden, da mir das Fachwissen fehlt. Außerdem denke ich, hat er genug Menschen, mit denen er darüber sprechen kann. Es ist Sommer, wir können draußen sitzen und auf den Tischen stehen rote Schirmlampen, zwischen denen Zigarettenschachteln liegen.
Das Gespräch dreht sich um Reisen, Konsum und Musik. Ich klinke mich ein, als Kunst ins Spiel kommt.
„Und war eigentlich jemand von euch schon mal im Brücke-Museum in Dahlem? Irgendwie gibt es in meinem Freundeskreis niemanden, der sich für sowas interessiert“, sagt Fox mit einer Spur Verbitterung und tatsächlich ohne Hoffnung, dass irgendjemand am Tisch etwas entgegnet. Wahrscheinlich hofft er, dadurch eine Entschuldigung gefunden zu haben, selbst nie dort gewesen zu sein und nie hinzukommen.
„Ich gehe mit dir nach Dahlem“, sagte ich.
Verwundert und positiv aufgeregt plant Fox mit mir den Museumsbesuch.
„Und im Wald spazieren können wir dann auch, das wird ein ganzer Ausflug, so richtig mit Kultur und Natur und so.“ So, denke ich, habe ich die Sache schön abgerundet und attraktiv gemacht.
„Kultur, ja klar, darum geht’s ja, aber Natur... Schwieriges Thema. Irgendwie habe ich das Gefühl, die Natur mag mich nicht sonderlich, irgendwie können wir nicht so miteinander und ich fühle mich häufig angefeindet.“
Fox erzählt von einer spannenden Begegnung mit einem Skorpion in Australien.
„Die gesamte Reisegruppe war mit unterwegs, keiner hat eines von denen gesehen. Warum setzt sich das verdammte Ding ausgerechnet neben meinen Schuh? Es hat gespürt, dass ich der einzige war, der keinen Bock auf den ganzen Australien-Wander-Quatsch hatte.“
Darüber hinaus gab es noch fiese Brennessel-Attacken und irgendwas mit giftigen Ameisen hatte er auch schon erlebt.
„Nun gut, Fox, ich verstehe. Du hast ein paar Traumata bezüglich gemeiner Insekten und Pflanzen, die es immer auf dich abgesehen haben. Aber ich denke trotzdem, der Besuch in Dahlem wird dir guttun. Giftige Skorpione sind da nicht zu erwarten, Dahlem ist nicht spannend genug für irgendwas!“
Wir verlassen die Kneipe, gehen tanzen und bleiben lange wach.
Ich hab richtig Lust auf Spazieren im Wald und auf einen Tag, der nicht zwischen Alexanderplatz und Friedrichstraße verläuft. Es vergehen einige Tage, das Wodka-, Pizza- und Soultanzwochenende geht vorüber und es wird Zeit für Fox, sich mit mir zu treffen.
Wir fahren nach Dahlem. Das Wetter ist schön, ich freue mich auf das Museum und überlege mir, wie ich Fox die Natur schmackhaft machen kann. Wir unterhalten uns über Bären und fragen uns, ob es in Dahlem welche gibt. Und falls ja, was denn zu tun sei, wenn uns einer begegnet.
„Du lachst, aber pass auf, ich habe schon häufig gedacht: Ja, jetzt passiert nichts. Und trotzdem findet die Natur immer wieder Wege, mich zu ärgern. Das mit dem Bären ist nicht so abwegig, wie du denkst!“
Das mit dem Bären ist sehr wohl abwegig und ich denke, es ist der richtige Weg, Fox nahezubringen, dass ihn im Dahlemer Wald nichts Böses erwartet. Von giftigen Insekten sind wir gedanklich nun ganz weit weg und wenn, dann auf Bären eingestellt.
In Dahlem-Dorf steigen wir aus und laufen dahin, wo der Wald beginnt. Irgendwie hat sich Fox mit dem Wanderausflug abgefunden, wir treten an die ersten Bäume heran.
Verwundert schauen wir auf die vielen Warnschilder, die am Waldeingang angebracht sind. Solche Schilder sind mir noch nie begegnet. Ich denke, um ihnen zu begegnen, muss man mit Fox in den Wald gehen.
„Vorsicht, Gesundheitsgefahr! Raupenrezessionsspinner-Befall! Netze und Raupen auf keinen Fall berühren, es drohen Haut- und Lungenschäden.“
Der Wald in Dahlem ist in diesem Sommer befallen von fiesen Raupen, die giftige Haare haben und allergieauslösende Netze spinnen.
Fox wird blass.
Ich lache und meine Demut vor der Natur wächst ins Unermessliche.
Ich treffe ihn an einem später tanzintensiven Freitagabend, um gemeinsam durch die Stadt zu ziehen. Zu viert sind wir, wir die Menschen sind herausgeputzt, alle fühlen sich sichtlich wohl. Ich kann mit Fox nicht über seine Plattenkiste reden, da mir das Fachwissen fehlt. Außerdem denke ich, hat er genug Menschen, mit denen er darüber sprechen kann. Es ist Sommer, wir können draußen sitzen und auf den Tischen stehen rote Schirmlampen, zwischen denen Zigarettenschachteln liegen.
Das Gespräch dreht sich um Reisen, Konsum und Musik. Ich klinke mich ein, als Kunst ins Spiel kommt.
„Und war eigentlich jemand von euch schon mal im Brücke-Museum in Dahlem? Irgendwie gibt es in meinem Freundeskreis niemanden, der sich für sowas interessiert“, sagt Fox mit einer Spur Verbitterung und tatsächlich ohne Hoffnung, dass irgendjemand am Tisch etwas entgegnet. Wahrscheinlich hofft er, dadurch eine Entschuldigung gefunden zu haben, selbst nie dort gewesen zu sein und nie hinzukommen.
„Ich gehe mit dir nach Dahlem“, sagte ich.
Verwundert und positiv aufgeregt plant Fox mit mir den Museumsbesuch.
„Und im Wald spazieren können wir dann auch, das wird ein ganzer Ausflug, so richtig mit Kultur und Natur und so.“ So, denke ich, habe ich die Sache schön abgerundet und attraktiv gemacht.
„Kultur, ja klar, darum geht’s ja, aber Natur... Schwieriges Thema. Irgendwie habe ich das Gefühl, die Natur mag mich nicht sonderlich, irgendwie können wir nicht so miteinander und ich fühle mich häufig angefeindet.“
Fox erzählt von einer spannenden Begegnung mit einem Skorpion in Australien.
„Die gesamte Reisegruppe war mit unterwegs, keiner hat eines von denen gesehen. Warum setzt sich das verdammte Ding ausgerechnet neben meinen Schuh? Es hat gespürt, dass ich der einzige war, der keinen Bock auf den ganzen Australien-Wander-Quatsch hatte.“
Darüber hinaus gab es noch fiese Brennessel-Attacken und irgendwas mit giftigen Ameisen hatte er auch schon erlebt.
„Nun gut, Fox, ich verstehe. Du hast ein paar Traumata bezüglich gemeiner Insekten und Pflanzen, die es immer auf dich abgesehen haben. Aber ich denke trotzdem, der Besuch in Dahlem wird dir guttun. Giftige Skorpione sind da nicht zu erwarten, Dahlem ist nicht spannend genug für irgendwas!“
Wir verlassen die Kneipe, gehen tanzen und bleiben lange wach.
Ich hab richtig Lust auf Spazieren im Wald und auf einen Tag, der nicht zwischen Alexanderplatz und Friedrichstraße verläuft. Es vergehen einige Tage, das Wodka-, Pizza- und Soultanzwochenende geht vorüber und es wird Zeit für Fox, sich mit mir zu treffen.
Wir fahren nach Dahlem. Das Wetter ist schön, ich freue mich auf das Museum und überlege mir, wie ich Fox die Natur schmackhaft machen kann. Wir unterhalten uns über Bären und fragen uns, ob es in Dahlem welche gibt. Und falls ja, was denn zu tun sei, wenn uns einer begegnet.
„Du lachst, aber pass auf, ich habe schon häufig gedacht: Ja, jetzt passiert nichts. Und trotzdem findet die Natur immer wieder Wege, mich zu ärgern. Das mit dem Bären ist nicht so abwegig, wie du denkst!“
Das mit dem Bären ist sehr wohl abwegig und ich denke, es ist der richtige Weg, Fox nahezubringen, dass ihn im Dahlemer Wald nichts Böses erwartet. Von giftigen Insekten sind wir gedanklich nun ganz weit weg und wenn, dann auf Bären eingestellt.
In Dahlem-Dorf steigen wir aus und laufen dahin, wo der Wald beginnt. Irgendwie hat sich Fox mit dem Wanderausflug abgefunden, wir treten an die ersten Bäume heran.
Verwundert schauen wir auf die vielen Warnschilder, die am Waldeingang angebracht sind. Solche Schilder sind mir noch nie begegnet. Ich denke, um ihnen zu begegnen, muss man mit Fox in den Wald gehen.
„Vorsicht, Gesundheitsgefahr! Raupenrezessionsspinner-Befall! Netze und Raupen auf keinen Fall berühren, es drohen Haut- und Lungenschäden.“
Der Wald in Dahlem ist in diesem Sommer befallen von fiesen Raupen, die giftige Haare haben und allergieauslösende Netze spinnen.
Fox wird blass.
Ich lache und meine Demut vor der Natur wächst ins Unermessliche.
anskob - 11. Feb, 21:24
